Gott einen Ort sichern

Gedanken auf dem Weg der Grossen Exerzitien im Alltag

Seit November gehe ich einen besonderen Weg: die Grossen Exerzitien im Alltag, ein ökumenisches Projekt, das Menschen aus den verschiedensten Richtungen miteinander verbindet. Am 16. November 2025 pilgerten rund 400 von ihnen nach St. Gallen, um in der ehrwürdigen Kathedrale den Eröffnungsgottesdienst zu feiern. Ich war tief berührt, zu sehen, wie weit Kreise dieses ökumenische Projekt gezogen hatte.

Unser Begleiter auf diesem Weg ist das Arbeitsbuch «Gott einen Ort sichern». Wie ein leises Versprechen lädt es uns ein, Gott Raum zu geben – in unseren Herzen, in unseren Häusern, in den stillen Stuben unseres Alltags. Jede Woche öffnet ein Text ein kleines Fenster, und einmal im Monat kommen wir zusammen, um Gedanken und Erfahrungen zu teilen – wie Kerzenlichter, die einander berühren.

Besonders bewegend ist die Begegnung mit der Biografie von Madeleine Delbrêl. Sie wuchs zu Beginn des 20. Jahrhunderts in einem liberalen, religiös indifferenten Elternhaus in Frankreich auf. Eine tiefe Lebenskrise und die Begegnung mit jungen Christinnen und Christen öffneten ihr Herz für eine neue Richtung. Inmitten einer atheistischen Umgebung lebte sie ihren Glauben – und schrieb ihre Erfahrungen in Meditationen, Gedichten und Gelegenheitstexten nieder. Ihre Worte sind wie kleine Anker, die zeigen, dass Glaube mitten im Alltag blühen kann, leise, beständig und voller Hoffnung:

Herr,
lass uns unser Leben leben,
weder wie ein Schachspiel, wo alles gerechnet wird,
noch wie ein Match, wo alles schwierig ist,
noch wie ein Theorem, das unseren Kopf zerbricht,
sondern wie ein unendliches Fest
wo sich dein Begegnen erneuert,
wie ein Ball,
wie ein Tanz,
in den Armen deiner Gnade,
in der universalen Musik der Liebe.
Herr, komm, uns einzuladen.
(Madeleine Delbrêl)

Helga Rodriguez

©Tom Dansken / pixabay

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