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Wort zum Monat November
«Zur Freiheit hat uns Christus befreit!»
Galater 5,1 (Zürcher Bibel)
In der Monatslosung der Herrnhuter Brüdergemeinde erhalten wir für November diesen Zuspruch aus dem Galaterbrief. Wenn ich den Paulustext heute lese, ist das für mich Ermutigung und Zumutung zugleich. Ermutigung, frei von religiösem Formalismus und anderen Zwängen Jesus nachzufolgen. Und eine Zumutung: «Steht also fest und lasst euch nicht wieder in das Joch der Knechtschaft einspannen.» Wie kann ich, wenn doch so spürbar geprägt von Lebensumständen, Traditionen und Befindlichkeiten, mich frei machen, meinen Nächsten wie mich selbst zu lieben? Geht das überhaupt?
Einen tröstenden und einordnenden Gedanken finde ich bei Martin Buber: Ohne die Liebe können wir zwar überleben. Ohne Liebe sind wir jedoch nicht wirklich im umfassenden Sinn Menschen. Erst in der Ich-Du-Beziehung verwirklicht sich unser Menschsein und wir erfahren Gegenwart und echte Verbundenheit. Buber scheint mir auch anzuerkennen, dass wir nicht immer diese Qualität der Beziehung aufrechterhalten können, dass es der Natur des menschlichen Lebens widerspricht, dauerhaft den Mut zur Liebe aufzubringen. Ich lese Buber so: Niemand kann immer so liebend da sein. In dieser Pendelbewegung zwischen echter und verengter Begegnung mag der in der Monatslosung gewählte Zuspruch aus dem Paulusbrief mir eine wichtige Erinnerung sein, die flüchtigen Momente des Gegenwärtigseins in Beziehungen als Geschenke anzunehmen, die mich erst zum Menschen machen.
Immerhin heisst es wenig später: «Denn das ganze Gesetz hat seine Erfüllung in dem einen Wort gefunden: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.» Tröstend auch: Nach Paulus müssen wir uns die Freiheit zur Liebe nicht erst erarbeiten. Es ist schon geschehen.
Seitdem ich Vater geworden bin, fordert mich mein Familienleben auf eine mir bisher unbekannte Weise heraus, mit meiner Frau und meinen Töchtern da zu sein. In guten Momenten vergesse ich dabei meine Hamsterräder, erlebe den Wechsel der Jahreszeiten und die dunkleren Herbstabende im Spiel und beim Singen, darf ganz im Moment, ganz präsent sein. Es fällt mir nicht immer so leicht. Auf jeden Fall ist es leichter, als ich es mir mit Paulus mache.
Wozu darfst du dich befreit fühlen? Welchen Schuh musst du dir nicht gleich als nächstes wieder anziehen? Wo und mit wem begegnest Du dem Licht der Liebe, wenn im November die Tage kürzer werden?


