Osterpredigt 2020

12. April 2020


Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war.

Markus 16,2-4   


Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Dieser Satz hat mich getroffen, er steht da wie eine Sinnbild. Beim Nachdenken wurde mir bewusst, wie unsere Sprache mit Steinmetaphern angefüllt ist. Das Wort Metapher ist vom griechischen Wort metaphorá abgeleitet und bedeutet Übertragung, der Sinn eines Wortes oder einer Wortgruppe wird in einen anderen Bedeutungszusammenhang übertragen.

Ein kleines Virus hat sich uns als mächtiger Stein in den Weg gestellt.
Bange Fragen kreisen in unseren Köpfen:

• Welche Strategie ist wohl die richtige um den Stein ins Rollen zu bringen?
• Höhlt stetes zu Hause bleiben den Stein?
• Woran kann ich mich halten, was ist in Stein gemeisselt?
• Wird ein Gegenmittel gefunden, jeder Stein umgedreht?
• Wird nach der Pandemie alles anders sein, gar kein Stein mehr auf dem anderen?
• Wer ist für mich da, bei wem habe ich einen Stein im Brett?
• Gibt es wirklich Menschen die sich jetzt bereichern, ist ihr Herz aus Stein?
• Füllt uns am Schluss ein Stein vom Herzen?

Wir ahnen, dass eine lange Periode von beständig wachsendem Wohlstand zu Ende geht. Weltweit sind die Leute von der Krise betroffen, fallen teilweise in eine richtige Schockstarre, als wäre das Licht ausgegangen, alles Beständige löst sich auf. Wie ein Stein, der in sich selbst an seinem Platz ruhend plötzlich wegbricht - und es gibt keine Fluchtmöglichkeiten, nirgends.

So sind weltweit Menschen unterwegs – physisch und psychisch - wie die drei Frauen am Morgen des Ostersonntags. Sie suchen nach einer neuen Ordnung, nach festem Boden unter den Füssen. Sie halten Ausschau nach einem Felsen, der ihnen Sicherheit und Verlässlichkeit gibt, unabhängig von Geldsorgen und Wirtschaftskrise. Sie hoffen, dass das Streben nach kurzfristigen Gewinnerwartungen, Boni und Dividenden abgelöst wird von langfristigen Strategien, die dem Wohl aller Menschen dienen.

Es wird nach Lebensformen und wirtschaftlichem Handeln gesucht, die dem Menschen dienen. «Die Wirtschaft soll dem Menschen dienen und nicht umgekehrt», dieser Spruch kommt in jeder Krise zum Tragen, doch anstatt etwas zu lernen wurde stets nochmals ein Zacken zugelegt, so dass heute die Arbeitskräfte als Konsumgut angesehen werden, das man benutzen und wegwerfen kann.

Die Menschen sehnen sich nach einem Wandel der Werte, nach dem Fest der Verwandlung.
Werden wir das nach Corona feiern können?

Maria von Magdala, die andere Maria und Salome erreichen das Grab des Totgeglaubten. Sie sind überrascht, der Stein wurde beiseite gewälzt. Dieses schwere Felsstück, das ihnen unüberwindlich erschien, die Sorge, die sie niederdrückte, ist beiseite gerollt. Da fiel ihnen bestimmt ein Stein vom Herzen. Die Grabhöhle ist leer, Jesus ist weg. Die Stelle, an der die Frauen mit dem Ende gerechnet haben, erweist sich als Ort wo Neues beginnt. Die Angst vor der dunklen Grube erweist sich als unbegründet. Alles ist anders, der Tote liegt nicht an seinem Platz.

Nur ein junger Bursche sass da, mit einem langen Gewand und die Frauen erschraken vor ihm "Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht mehr hier." sagte er ihnen.

Wie ein feines Pflänzchen begann sich hinter dem schweren Sorgenstein etwas neues zu regen. Etwas unerhörtes, unerwartetes "Er ist auferstanden, er ist nicht hier".

Der Tod konnte Jesus nicht festhalten. Im Gegenteil, Jesus ist aus der dunklen muffigen Grabhöhle hinaus gegangen, in den jungen, von Sonnenlicht durchfluteten Tag.
Dieses Bild trägt, gibt uns Hoffnung, einen verwurzelten Halt, eine unerklärliche Vorfreude auf das, was hinter dem Stein wartet. Die Zuversicht, das Spüren der Göttlichen Gnade braucht keine Erklärungen.

Auch wenn uns die Sorgen in diesem Jahr besonders drücken, Ostern bleibt und zeigt uns verlässlich den Weg aus der Angst. Wie ein Schimmer umleuchtet die Hoffnung bereits den Stein.

Foto Beat Loosli | Santa Marianita, Ecuador

   

Ostern feiert den Triumph des Lebens über den Tod, den Sieg der Hoffnung über die Angst.

Bei meinen Gedanken rund um diesen Stein, der uns so oft den Blick verstellt, habe ich mich gefragt, ob eigentlich die Funktion des Grabsteins auch irgendwie von diesem Stein vor dem Grab abgeleitet wurde? Ich habe aber nichts dazu gefunden – aber der Gedanke gefällt mir.

Wir stellen symbolisch einen Stein auf die Gräber unserer Lieben, weil wir - wie die Frauen - nicht wissen, wie es weiter gehen soll, der Schmerz über den Verlust lähmt uns. Wer rollt uns den Stein weg, wer leuchtet uns ins leere Grab und zeigt uns die neue Perspektive? Wer weckt in uns neuen Mut und Freude?

Wir werden immer wieder mit diesem Stein konfrontiert. Und wir könnten ihn als Strafe ansehen, so erzählt es die Geschichte von Sisyphos. Der muss auf ewig einen Felsblock den Berg hinaufwälzen, fast auf dem Gipfel angelangt, rollt ihm der Stein jedes Mal wieder ins Tal. Der Schriftsteller und Philosoph Albert Camus hat in seinem Essay "Der Mythos von Sisyphos" dazu geschrieben, dass der Kampf gegen den Gipfel ein Menschenherz zu erfüllen vermag, dass wir uns Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen müssen.

Das kann ich gut nachvollziehen. Denn je höher wir den Stein schieben umso mehr steigt in uns das Gefühl, dass wir es aus eigenen Kräften schaffen. Erst wenn der Stein im Tal vor unseren Füssen liegt, wird uns bewusst, woher wir die beflügelnden Kräfte zum Neubeginn erhalten.

Die Geschichte der Frauen weist uns auf Gottes neue Ordnung hinter dem Stein, sie weckt die Hoffnung, dass sich auch das Stein-schwere, das unsere Seelen belastet, in neues Leben wandelt, vom Ostertag bis heute.

Amen

Ostern 2020
Dorothea Loosli

   

Näheres dazu im Mail- oder Postversand oder mail@dorothealoosli.ch

Karfreitag

10. April 2020

Bild

Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schulter

Karfreitag, 10. April 2020

Karfreitag, ein Trauertag, an dem wir den Tod Jesu beklagen, ein Leidenstag, an dem wir auch das grosse Leid, das sich zur Zeit auf dieser Erde abspielt, beklagen.
Wir alle möchten in dieser speziellen Zeit vermutlich schnell zu Ostern gehen und das Leben feiern können. Aber wir müssen uns schmerzlich eingestehen, dass es keinen Weg vorbei an Karfreitag gibt.

Viele Menschen haben sich durch die Zeiten immer wieder an das Leiden und Sterben Jesu erinnert und darin auch das eigene Leid und die Not dieser Welt abgebildet gesehen.
Auch heute brauchen wir einen Ort, wo wir uns mit dem Leiden auseinandersetzen können, wo wir verarbeiten können, wo wir hoffentlich auch etwas Trost finden können.

Näheres dazu im Mail- oder Postversand oder bei Elsbeth Zürcher, falcon42@bluewin.ch

Information zur Situation Covid-19

März 2020

Am 17. März hat das BAG die Weisung erlassen, dass alle öffentlichen und privaten Veranstaltungen verboten sind. Die Weisung dient der Verlangsamung der Coronavirus-Epidemie. Wir setzen die Vorgaben des Bundesrates und des BAG vorbehaltlos um. Bis zum 19. April finden keine Gottesdienste statt, auch alle Treffen von Gruppen (JG.BE, Hausgebetskreis, 60-plus, ökumenische Fastengruppe) sind abgesagt. Im Träffer finden auch sonst keine Veranstaltungen statt. 

Wir bleiben aber erreichbar. Elsbeth Zürcher, Ursula Wenziker und Jürg Bräker stehen gerne für Gespräche zur Verfügung. Der Besuchsdienst muss sich auch nach den Vorgaben des BAG richten, Besuche sind möglich, aber gefährdete Personen müssen geschützt werden.

Bei Fragen dürfen sich sich gerne an Jürg Bräker wenden. juerg.braeker@menno.ch

In Zeiten, in denen wir auf so viele Berührungen verzichten, möchte ich euch diesen Segen aus unserem Gesangsbuch mitgeben:

Gottes zärtliche Berührung
Mache dich zur Empfangenden und Gesegneten
Und gebe dir Kraft

Gottes zärtliche Berührung
Befreie dich von deiner inneren Anspannung.
Sie richte dich auf, wo du gebeugt bist.

Gottes zärtliche Berühurng
Gebe dir Zuversicht und Hoffnung.
Sie gebe dir Mut für den nächsten Schritt.

So berühre und segne dich der dreifache Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Gedanken zur Jahreslosung 2020

2020

"Ich glaube, hilf meinem Unglauben"
Markus-Evangelium 9,24

Jahreslosungen sind oft ein ermutigender Zuspruch. Ein Wort auf den Weg ins neue Jahr ist auch dieser Vers, aber er ist eine Einladung, ihn sich zu eigen zu machen und nachzusprechen. Mir gefällt diese Losung, weil sie mich dort abholt, wo ich gerade bin. Sie ist so menschennah. Da wird kein grosser Anspruch von Glaubenssicherheit gefordert. Das wäre anders mit einem anderen Vers aus der Geschichte, aus der dieses Zitat stammt.

Da ist ein Vater, der bei Jesus Hilfe sucht für seinen Sohn. Auf seine Bitte hin "Wenn du etwas vermagst, so hilf uns..." antwortet Jesus: "Alles ist möglich dem, der glaubt." Würden wir diesen Vers über das Jahr stellen, kämen wir in Versuchung, einen unerschütterlichen Glauben als Voraussetzung für gutes Gelingen anzusehen.

Ja, Hoffnung und Optimismus sind hilfreiche Gefährten in dieser schwierigen Welt. Aber was tun, wenn sie uns abhandenkommen? Der Vater gibt nicht vor, alles zu vermögen. Sein Glaube, sein Vertrauen drückt er einfach darin aus, dass er sich an Jesus wendet. Und in dieser Begegnung hat auch seine Unsicherheit, der wankende Boden, Platz.

So ist diese Losung doch ermutigend. Sie lädt mich ein, mich mit meiner ganzen Spannung zwischen Hoffnung und Angst vor Enttäuschung in eine Begegnung mit Gott hinein zu wagen. Ich muss nichts vorspielen und darf die Schritte ins Glauben hinein dort beginnen, wo ich jetzt stehe.

Bildnachweis: Christop Varghese

Stationenweg zur Täufergeschichte in der Stadt Bern

2018

Nun ist es soweit: Der Stationenweg zur Täufergeschichte in der Stadt Bern wird Wirklichkeit.

Seit Ende August 2018 können alle Interessierten die Geschichte der Täufer auf interaktivem Weg anhand eines Rundganges nach dem erfolgreichen Konzept der Foxtrails entdecken.

Flyer Stationenweg Bern deutsch als PDF >>>

Flyer Stationenweg Bern englisch als PDF >>>

Bildnachweis: Beat Loosli

Nacht der Religionen in Bern

November 2017

Regierungsrat Christoph Neuhaus bittet Täuferinnnen und Täufer um Verzeihung

Die Mennoniten-Gemeinde Bern freut sich sehr über die Bitte um Verzeihung, die der Berner Regierungsrat und Kirchendirektor Christoph Neuhaus ausgesprochen hat. Das Ereignis im Saal des Berner Rathauses im Rahmen der Nacht der Religionen hat die Anwesenden aus vielen Kirchen und Religionen tief berührt. Wir danken Regierungsrat und Kirchendirektor Christoph Neuhaus für diese klaren Worte an die Täufer und die Bitte um Vergebung für vergangenes Unrecht, welches die Regierung des Kantons Bern den Täufer angetan hatte. Die Täufer, das sind heute Menschen in der Stadt Bern, im Kanton Bern und weit darüber hinaus in aller Welt. Sie werden die Bitte hören und sich mitfreuen. Die Konferenz der Mennoniten der Schweiz, in welcher die Mennoniten-Gemeinden der Schweiz zusammengeschlossen sind, möchte nun diese Bitte um Vergebung offiziell würdigen, voraussichtlich bei der Eröffnung des Stationenweges im Frühjahr 2018.

Die Veranstaltung im Rathaussaal Bern wurde gemeinsam von der reformierten Kirchgemeinde Münster und der Mennoniten-Gemeinde Bern getragen. Unter dem Titel «Kirche und Staat – Fluch oder Segen?» thematisierte Regierungsrat Neuhaus die vergangene Verfolgung der Täufer durch den Kanton Bern, gefolgt von einer Lesung mit Katharina Zimmermann, die aus ihrem Täuferroman«Die Furgge» las.

Medienmitteilung als PDF >>>

Rede von Regierungsrat Neuhaus als PDF >>>