Präsenzgottesdienste im Träffer

Juni 2021

Ab sofort werden wieder alle unsere Gottesdienste als Präsenzgottesdienste im Träffer durchgeführt. Eine Anmeldung ist nicht nötig, es hat genügend Plätze für alle. Herzliche Einladung!

Jubilate! Cantate! Rogate! Exaudi!

Mai 2021

Jubilate! Cantate! Rogate! Exaudi!

Schon einige Wochen lang stehen Psalm-Worte über den Sonntagen. Die 5 Sonntage nach Ostern bis zum Pfingstfest sind alle nach einem Psalm-Wort benannt. Es sind Gebetsrufe: Die Erde ist voll der Güte des Herrn! – ein Bekenntnis; Jubilate ­– Jubelt! Cantate – Singt der Herrn ein neues Lied! Rogate – Betet! Exaudi – Höre meine Stimme! Gebet kennt viele Stimmen. Manchmal ist es stumm. Manchmal ist es bedrängt von ruhelosen Stimmen, die Luft brauchen. Manchmal geht es einen Weg, bis es einstimmen kann in die Worte, welche uns schon seit Jahrtausenden begleiten.

Ich bin dankbar für diese alten Rufe, die wir jedes Jahr hören dürfen. Sie fallen in die Zeit hinein, ganz unabhängig davon, was sich gerade im Weltgeschehen bewegt. Sie erinnern mich daran, was über die Zeiten hinweg bleibt, und klingen doch jedes Jahr anders, weil sie eben in die Zeit fallen, mit dem zusammen klingen, was uns in der der Zeit bewegt. Manchmal passend, manchmal als Kontrast, manchmal als Widerspruch.

Jubeln, das ist schon ein starker Ausdruck der Freude. Etwas unschweizerisch, möchte ich fast sagen, auch wenn man in den Bergen schon mal so einen Juchzger hört. Man kann nicht zurückhaltend oder moderat oder wohltemperiert «etwas Jubeln.» Nur innerlich jubeln, das geht irgendwie nicht. Wer jubelt, lässt sich ungeschützt auf die äste hinaus und lässt sich ganz von der Freude einnehmen.

Können wir das in dieser Zeit? Gibt es überhaupt eine Zeit, in der Jubeln so ganz angesagt ist? Letzte Woche jubelten die einen darüber, dass nun Singen in den Gottesdiensten wieder erlaubt sei. Andere meinten, das könne nur eine Falschinformation sein, zu fragil weiterhin die Situation. Von grossen Jubelfeiern über den Meistertitel von YB wurde gar abgeraten. Vielen wird es aus unterschiedlichen Gründen nicht ums Jubeln sein. Aber sind die Aufrufe wie «Jubilate!» «Cantate!» deswegen unpassend?

Gewiss, die Rufe kontrastieren. Gerade für solche Kontraste bin ich diesen alten Texten dankbar. Sie können auch die Augen öffnen für das, was ich vielleicht übersehe. Jubel gehört zu der Zeit nach Ostern, aber Ostern fällt immer wieder anders in die Zeit. Manchmal wandert die Freude auch als stille Begleiterin mit, lange unbemerkt oder unerkannt. Und erfasst uns dann überraschend in einem unerwarteten Moment.
Jürg Bräker

Bildnachweis: Robert Collins / unsplash

Gedanken zur Jahreslosung 2021

2021

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.
Lukas 6,36ß

Die Jahreslosung 2021 enthält eine Aufforderung: "Seid barmherzig!" oder "Werdet Barmherzige!" Oft stimme ich solchen Aufforderungen zu, wenn sie einsichtig, vernünftig sind. Aber wenn sie eine wirkliche Veränderung bewirken sollen, müssen sie mich auf einer tieferen Ebene erreichen, dort, wo die Wünsche in uns entfacht werden. Dort, wo mich etwas anzieht, berührt, weil ich in eine besondere Schönheit entdecke. Wenn ich die Jahreslosung für das Jahr 2021 höre, kommen mir zwei Bilder vor Augen, die diese Schönheit in sich tragen: Der Vater, den der Evangelist Lukas im Gleichnis von den Söhnen beschreibt: er umhüllt den heimkehrenden Sohn in seinem weiten Mantel. Und der Schutz, die Wärme, die eine Mutter gibt, wenn sie ihr Kind an sich schmiegt, das den Schlaf nicht finden kann. Rächäm, das hebräische Wort für Barmherzigkeit, bezeichnet auch den Mutterschoss, das Innere, das mitseufzt mit dem Leiden anderer, sich mitfreut mit den Geliebten und liebschützend umhüllt.

Beides finde ich in den Händen, die der Maler Enzo Cucchi in die Aspis der Kappelle Santa Maria delli Angeli am Monte Tamaro gesetzt hat. Es sind Hände, die auffangen und bergen, anbieten, beten, offen sind zu empfangen, loslassen und einladen. Die Offenheit des Symbols schafft zärtliche Nähe und Freiraum zugleich.

Im Lukas-Evangelium bildet Jesus die Barmherzigkeit Gottes auf viele Weisen ab. Wie Gott seine Menschen barmherzig umfängt, heimholt, heilt, kräftigt und freisetzt, das spiegelt sich überall in seiner Botschaft, in seinen Begegnungen. Können wir diese Barmherzigkeit auch im ersten Teil des Verses hören, die sich an uns richtet? "Werdet barmherzig!" Das lässt Lernfelder offen, auf denen wir in kleinen Schritten lernen können, von Barmherzigkeit getragen selbst barmherzig zu werden.

Wir leben in einer Zeit, in der Brüche in unserer Gesellschaft offenbar werden; wir finden manchmal keine Wege mehr zueinander, als lebten wir in verschiedenen Welten. Bruchkanten sind scharf. Barmherzigkeit wird diese Brüche nicht alle heilen können. Aber vielleicht sind es Taten der Barmherzigkeit, die sich schützend über die Bruchkanten in unserem Zusammenleben legen und uns davor bewahren, uns gegenseitig zu verletzen.
Jürg Bräker

Bildnachweis: Fresko von Enzo Cucchi, Kappelle Santa Maria delli Angeli, Monte Tamaro / Foto: Jürg Bräker

Stationenweg zur Täufergeschichte in der Stadt Bern

2018

Nun ist es soweit: Der Stationenweg zur Täufergeschichte in der Stadt Bern wird Wirklichkeit.

Seit Ende August 2018 können alle Interessierten die Geschichte der Täufer auf interaktivem Weg anhand eines Rundganges nach dem erfolgreichen Konzept der Foxtrails entdecken.

Flyer Stationenweg Bern deutsch als PDF >>>

Flyer Stationenweg Bern englisch als PDF >>>

Bildnachweis: Beat Loosli

Nacht der Religionen in Bern

November 2017

Regierungsrat Christoph Neuhaus bittet Täuferinnnen und Täufer um Verzeihung

Die Mennoniten-Gemeinde Bern freut sich sehr über die Bitte um Verzeihung, die der Berner Regierungsrat und Kirchendirektor Christoph Neuhaus ausgesprochen hat. Das Ereignis im Saal des Berner Rathauses im Rahmen der Nacht der Religionen hat die Anwesenden aus vielen Kirchen und Religionen tief berührt. Wir danken Regierungsrat und Kirchendirektor Christoph Neuhaus für diese klaren Worte an die Täufer und die Bitte um Vergebung für vergangenes Unrecht, welches die Regierung des Kantons Bern den Täufer angetan hatte. Die Täufer, das sind heute Menschen in der Stadt Bern, im Kanton Bern und weit darüber hinaus in aller Welt. Sie werden die Bitte hören und sich mitfreuen. Die Konferenz der Mennoniten der Schweiz, in welcher die Mennoniten-Gemeinden der Schweiz zusammengeschlossen sind, möchte nun diese Bitte um Vergebung offiziell würdigen, voraussichtlich bei der Eröffnung des Stationenweges im Frühjahr 2018.

Die Veranstaltung im Rathaussaal Bern wurde gemeinsam von der reformierten Kirchgemeinde Münster und der Mennoniten-Gemeinde Bern getragen. Unter dem Titel «Kirche und Staat – Fluch oder Segen?» thematisierte Regierungsrat Neuhaus die vergangene Verfolgung der Täufer durch den Kanton Bern, gefolgt von einer Lesung mit Katharina Zimmermann, die aus ihrem Täuferroman«Die Furgge» las.

Medienmitteilung als PDF >>>

Rede von Regierungsrat Neuhaus als PDF >>>