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Wort zum Monat Juli
… und er führte sie zum ersehnten Hafen
«Da freuten sie sich, dass es still geworden war, und er führte sie zum ersehnten Hafen.» Ps. 107, 30 Zürcher Bibel
Dieser Psalm wird in die Zeit nach dem babylonischen Exil eingeordnet. Der Text blickt auf eine Zeit zurück, in denen aufgrund äusseren Zwangs und wohl auch zur zur Nutzung wirtschaftlicher Chancen neue Wege beschritten wurden. Unter anderen ist die Rede von denen, «die auf Schiffen das Meer befuhren, Handel trieben auf mächtigen Wassern, sie sahen die Werke des Herrn und seine Wunder in der Tiefe». Einige aus dem Bauern- und Hirtenvolk sind Seeleute und Händler geworden und machen abseits ihrer Herkunft und Tradition völlig neue Erfahrungen. Mit diesem Staunen kann ich mich identifizieren. Durch Studium, Beruf – auch durch unternommene oder geträumte Reisen, an die ich jetzt zur Sommerzeit denke – lerne ich mich selbst, Menschen, Tätigkeiten, Lebenswelten und ein Teil der Schöpfung neu kennen.
Eine Mitreisende beschrieb kürzlich das Gefühl einer «angenehmen Müdigkeit». Ich stelle mir vor, dass diese Erschöpfung in einem angemessenen Verhältnis steht: Zum Bemühen um ein gutes Handeln, zu einer gesunden sportlichen Herausforderung oder einer anderen für uns wertvollen Erfahrung. Das kenne ich. Bei mir selbst bemerke ich allerdings zusätzlich noch die «unangenehme Müdigkeit»: Wenn ich erschöpft, unausgeglichen und genervt bin, ist es für mich unangenehm und für alle anderen leider häufig auch.
Der Psalm beschreibt eine besonders unangenehme Form der Erschöpfung: Seekrankheit. Ich habe beim Lesen Segler im Ohr, die ernsthaft und aus eigener Erfahrung scherzten: «Zuerst kommt die Angst zu sterben und dann die Angst nicht zu sterben.» Die Formulierungen des Psalmisten erscheinen mir daher handfest und realistisch.
Und das Scherzwort der Segler erinnert mich, dass auch besonders unangenehme Erfahrungen zum Glück meist nicht lebensgefährlich sind. Selbst lebensgefährliche Situationen gehen nicht immer maximal tragisch aus. Auch wennn es sich zwischendurch anders anfühlt, können wir im sicheren Hafen nach Momenten der Ruhe und Erholung meist wieder Lebensfreude finden.
Gleichzeitig wissen wir, dass es nicht immer für alle gut ausgeht. Ich wünsche Euch Kraft und Mut, auf die Euch passende Art mitzutragen. Dazu schöne Sommertage mit einer guten Mischung von Anstrengung und Erholung, einen Sinn für sichere Häfen, so dass Ihr bei allen Herausforderungen viele Gelegenheiten findet, von innen und miteinander ausgeruht, stark und fröhlich zu sein.
Jan-Aaron Klaassen


